Vorbereitung der Klinikvorstellung
Zu einer Klinikvorstellung gehört eine gute Vorbereitung. Informationen zu regionalen Behandlungs- und Klinikangeboten kann sich jede*r SoberGuide im Internet einholen. Die DHS bietet eine Einrichtungssuche an Zur Einrichtungssuche der DHS.
Es bietet sich ein erster telefonischer sowie folgender persönlicher Kontakt an.
Der erste Kontakt ist mit den Verantwortlichen in der Suchtklinik bzw. in der Entgiftung zu vereinbaren – dies kann die Klinikleitung, das Personal oder der Sozialdienst sein.
Vor Ort muss man evtl. eine Bestätigung vorlegen, dass man SoberGuide ist. Ebenso sollte man an ausreichend Visitenkarten und Flyer bzw. Infomaterialien denken.
Gesprächskreis in der Klinik
Es ist wichtig und gehört natürlich zum guten Ton, sich immer beim Personal an- und abzumelden.
Wenn möglich, bereitet einen Stuhlkreis vor und erfragt, ob alle Teilnehmer*innen anwesend sind. Lockert gerne die Atmosphäre etwas auf.
Erfragt zu Beginn des Stuhlkreises, ob das DU oder SIE erwünscht ist. Achtet auf Mimik, Körperhaltung und einen respektvollen Umgang.
Diese Gegebenheiten unterscheiden sich kaum von der Gruppenleitung, aber es gilt zu berücksichtigen, dass dies ein Gesprächskreis in einer Entgiftungsklinik ist.
Hinweis:
Die Patient*innen in der Klinik sind in angeleiteten Gruppen und begreifen die Veranstaltungen daher oft als Pflichtprogramm, während sie freiwillig in die Selbsthilfegruppen kommen und sich dort eher öffnen und mehr Einsicht zeigen.
Weiterhin stehen sie unter Medikamenteneinfluss und haben teilweise schwere Lebenssituationen zu meistern. Die (eigene) Abstinenzdauer steht ebenso nicht im Fokus und sollte nicht erwähnt werden, da sie sich demotivierend auswirken könnte.
Weitere Tipps für den Gesprächskreis in der Entgiftung
- Schweigsame Patient*innen nicht bedrängen
- Störende Patient*innen ansprechen
- Wertschätzung zeigen
- Ungeteilte Aufmerksamkeit schenken: positiv im Hier und Jetzt und der Zukunft bleiben
- Jede/n Patient*in auf Augenhöhe begegnen und abholen, wo er/sie sich gerade befindet
- Nur wenig von der eigenen Geschichte erzählen. Auf übertriebene Selbstdarstellung verzichten. Die Patient*innen stehen im Mittelpunkt.
- Nicht in Bewertung von Konsumeinheiten verstricken lassen: Es ist und bleibt eine chronische Erkrankung. Das wiederum ist auch nur das Symptom und nicht die Ursache der Problematik. Deshalb wird sich suchtübergreifend orientiert und jeder SoberGuide kann sein Thema besetzen z.B. Essstörungen, Beziehungsstörungen, Depressionen, Alkohol, Mehrfachabhängigkeit und Angehörige.
- Mit Rückschlägen der Patienten, deren unberechenbaren Verhalten, stark schwankender Motivation und fehlenden Glauben an die Wirksamkeit der sozialen Hilfen umgehen können, aber auch Misserfolge nicht auf sich selbst zu projizieren und klare Trennungen zwischen Patienten und Privatleben zu ziehen. Manche Prozesse dauern mit Unterbrechung mehrere Jahre, so dass im Umgang mit Abhängigen auch Geduld und Kontinuität eine wichtige Rolle spielen.
Ansatzpunkte der SoberGuides in der Klinik
In diesem Setting der können die SoberGuides die Bedeutung der Selbsthilfe hervorheben.
Gegebenenfalls die Gespräche der Patient*innen aufgreifen, fragen, wer Selbsthilfe kennt, wer eine Gruppe hat, um Neugierde auf unser Angebot der telefonischen Begleitung und unsere Gruppenarbeit zu wecken.
Beschreiben, dass man den Austausch mit Gleichgesinnten hat, weitere Bildung und Freizeitaktivitäten nutzen kann.
Erneut auf die Unterstützung durch Selbsthilfegruppen und Begleitung durch SoberGuides aufmerksam machen.
Die Belastung nach der Entlassung ansprechen z.B. Umstände zu Hause, Lebenspartnerin und Familie, voller Briefkasten, Arbeitgeberin, Wiedergutmachung im Umfeld usw.
Abschluss
- Vor der Verabschiedung Teilnehmer informieren, dass man für Rückfragen noch kurze Zeit im Hause, z.B. Raucherbereich oder Eingangsbereich anzutreffen ist.
- Am Ende für die Aufmerksamkeit und das entgegengebrachte Vertrauen bedanken, alles Gute bzw. gute Besserung wünschen und beim Verabschieden ein Wiedersehen in der Selbsthilfe oder bei einem telefonischen Kontakt ansprechen
- Beim Klinikpersonal abmelden evtl. Feedbackrunde insbesondere der eigenen psychischen Überforderung vorzubeugen
Möglicher Ablauf

Sei ca. 15 Minuten eher da und bereite den Raum vor. So kannst du dich auf die Vorstellung einstimmen und vermeidest Hektik und Unruhe beim Ankomme der Teilnehmenden.

Stelle dich selbst kurz vor, damit die Teilnehmenden wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Wichtig ist auch, mitzuteilen, dass man eine eigene Suchterfahrung hat, ohne die eigene Geschichte zu weit ausbreiten und in den Vordergrund zu stellen. Somit zeigt man, dass man weiß, wovon man redet.

Dann empfehlen wir, die Vorteile der Selbsthilfe zu erläutern. Man kann zum Beispiel mit der Frage beginnen, wer bereits Erfahrung mit Selbsthilfe hat. Es kann sein, dass dann positive Erfahrungen kommen, die man aufgreifen kann. Es kann auch dabei helfen, zu erkenn, ob die Teilnehmenden Vorurteile gegenüber- bzw. falsche Vorstellungen von der Selbsthilfe haben, die man dann ggfs. ausräumen kann.

Die Vorstellung des eigenen Verbandes/ der eigenen Gruppen/ des Projekts empfehlen wir erst zum Schluss zu machen, da nun bereits Hemmschwellen abgebaut wurden.

Verabschiede dich und bedanke dich für die Teilnahme.

Die Klinikvorstellung ist eine gute Möglichkeit auf dich und das Angebot der SoberGuides hinzuweisen. Wir freuen uns, wenn SoberGuides bereit sind Klinikvorstellungen zu machen, da dies eine guter Weg ist, das Projekt bekannter zumachen. Dies ist freiwillig und du entscheidest selbst, ob du Klinikvorstellungen machen möchtest.
