Wozu ein Netzwerk aufbauen?
Eine der Aufgaben eine*r Suchtgefährdetenhelfer*in kann der Aufbau eines lokalen Netzwerken sein. Netzwerke bestehen aus verschiedenen Partner*innen aus unterschiedlichen Institutionen, Einrichtungen und Projekten, die ähnliche Ziele verfolgen. Im Falle der Suchtselbsthilfe ist dies die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Suchtproblemen. In vielen Städten und Gemeinden gibt es bereits Netzwerke, die zum Thema Sucht arbeiten. Dieses Modul unterstützt dich als Suchtgefährdetenhelfer*in dabei, dein eigenes Netzwerk aufzubauen.
Um das Engagement in der ehrenamtlichen Suchtselbsthilfe und die Angebote der Suchtselbsthilfe bekannter zu machen und selbsthilfefreundliche Rahmenbedingungen zu fördern, ist die Vernetzung und Kooperation mit anderen Partner*innen hilfreich.
Ein gutes Netzwerk kann eine Suchtselbsthilfegruppe oder eine Suchtselbsthilfeorganisation auf verschiedene Weisen unterstützen.

- Zum einen können Netzwerkpartner*innen als Multiplikator*innen dienen. Multiplikator*innen können Personen oder Institutionen sein, die bestimmte Informationen an andere weitergeben und so zu deren Verbreitung beitragen. Sie können helfen, Selbsthilfeangebote bekannt zu machen und Hilfesuchende auf diese aufmerksam zu machen.
- Darüber hinaus können Netzwerkpartner*innen selbst wertvolle Informationsquellen sein, die die Selbsthilfearbeit unterstützen und die Rahmenbedingungen für die Suchtselbsthilfe verbessern.
- In einem Netzwerk kann die Selbsthilfegruppe auch eine größere Außenwirkung erzielen als eine einzelne Organisation und z.B. erfolgreich Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit für ihre Anliegen betreiben.
Welche Netzwerkpartner*innen kommen in Frage?
Finde in deiner Stadt, deinem Stadtviertel oder deiner Gemeinde Partner*innen, die den Suchtbereich abdecken. Überlege dir, welche Partner*innen für dein persönliches Netzwerk in Frage kommen. In der Regel bieten sich Personen und Organisationen an, die ähnliche Ziele verfolgen, wie du oder von denen du denkst, dass sie mit ihren Kompetenzen, Ideen oder Kontakten für dein Engagement in der Suchtselbsthilfe wichtig sein könnten.
Mögliche Netzwerkpartner*innen sind:
Dies betrifft Suchtselbsthilfegruppen innerhalb des eigenen Verbandes oder der eigenen Organisation, aber auch Suchtselbsthilfegruppen anderer Organisationen und Verbände, die in der Region tätig sind. (In Lektion 4.2 haben wir Suchtselbsthilfeverbände vorgestellt. Auf deren Homepages kann man nach lokalen Selbsthilfeangeboten recherchieren.)
Nicht nur Kontakte zu Suchtselbsthilfegruppen können hilfreich sein, sondern auch zu Selbsthilfegruppen, die sich zu anderen Themen treffen. So haben z.B. Selbsthilfegruppen zu Depressionen viele Überschneidungspunkte mit der Suchtselbsthilfe. (siehe z.B. Lektion 4.5)
Eine Selbsthilfekontaktstelle ist eine eigenständige lokale Facheinrichtung, die Selbsthilfeaktivitäten durch kostenlose Dienstleistungen unterstützt und stabilisiert. Sie arbeitet themen- und indikationsübergreifend zu allen Themen der Gruppenselbsthilfe und ist gut vernetzt mit anderen Selbsthilfegruppen. (In Lektion 4.2 haben wir die Arbeit der Selbsthilfekontaktstellen vorgestellt. Auf deren Homepages kann man nach lokalen Selbsthilfeangeboten recherchieren.)
Kontakte zu Gesundheitseinrichtungen in der Region sind hilfreich, um Selbsthilfeangebote vorzustellen und zu bewerben. Im besten Fall gibt es in den Einrichtungen feste Ansprechpartner für die Selbsthilfe (Modul 10).
Fast jede Stadt verfügt über Beratungsstellen für Menschen mit Suchtproblemen und Angehörige. Teilweise sind diese Beratungsstellen auf bestimmte Suchtmittel oder -formen spezialisiert.
Die Einrichtungsdatenbank der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) enthält alle wichtigen Informationen zu den bundesweit über 1.400 ambulanten Suchtberatungsstellen. Darüber hinaus finden Sie dort auch 800 stationäre Suchthilfeeinrichtungen.
Die Landesstellen für Suchtfragen sind Anlaufstellen und Dachorganisationen, für die in der Suchthilfe und -prävention tätigen Verbände und Einrichtungen in den Bundesländern (außer Mecklenburg-Vorpommern). Sie sind autonom und keine Untergliederung der DHS. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesstellen für Suchtfragen gehört der DHS als kooperierende Organisation an.
Digitale soziale Netzwerke wachsen über Social-Media-Kanäle stetig und bieten vielfältige Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs. Eine eigene Präsenz auf digitalen Plattformen wie Facebook, Instagram erhöht nicht nur die eigene Sichtbarkeit im Internet, sondern ermöglicht es auch, mit anderen Akteuren in Kontakt zu treten.
Darüber hinaus können Kontakte zu Fach- und Kommunalpolitikern, Behörden wie Jobcenter, Agentur für Arbeit, Journalst*innen mit Schwerpunkt Sucht- und Gesundheitsthemen, Kirchen und anderen religiösen Einrichtungen, Frauenberatungsstellen, Schuldnerberatungsstellen oder Ärzt*innen hilfreich sein.
Wie kann ich ein Netzwerk aufbauen?
Hier findest du zwei Möglichkeiten, wie du Ideen für Partner*innen sammeln kannst. Du kannst dir die Dokumente auch als PDF herunterladen, ausdrucken und ausfüllen.
Schritt 1 Argumente zusammenstellen
Sammle Argumente, mit denen du bei möglichen Netzwerkpartner*innen für Unterstützung oder Zusammenarbeit werben kannst.
Schritt 2 Mindmap ausfüllen
Notiere auf der Mindmap (Arbeitsblatt 1) alle Personen, Gruppen, Einrichtungen, Organisationen, und mehr, die dir spontan einfallen.
Schritt 3 Mindmap ergänzen:
Nutze unsere ausgefüllte Mindmap (Arbeitsblatt 2) als Unterstützung und ergänze mögliche Netzwerkpartner*innen, an die du im ersten Schritt noch nicht gedacht hast.
Schritt 4 Auswahl treffen
Markiere auf deiner Mindmap, wen du auf jeden Fall gewinnen musst, um dein Ziel zu erreichen

Schritt 5 Kontaktdaten recherchieren:
Jetzt sind die konkreten Kontaktinformationen zu den potentiellen Netzwerkpartner*innen gefragt. Unsere ausgefüllte Recherchehilfe (Arbeitsblatt 3) zeigt beispielhaft, wie die eigene Tabelle (Arbeitsblatt 4) mit Inhalten gefüllt werden kann. Mit der ausgefüllten Tabelle kannst du dann in die konkrete Ansprache der Netzwerkpartner*innen gehen.

Wie bahne ich den Kontakt zu potentiellen Partner*innen an?
Erfolgreiche Netzwerkarbeit lebt von einer wertschätzenden und konstruktiven Kommunikation, in der die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede deutlich werden. Für das Kennenlernen, das Ausloten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sowie die Ausgestaltung einer Kooperation ist es unerlässlich, dass das eigene Selbstverständnis klar ist: Wer bin ich eigentlich? In welchen Bereichen kenne ich mich aus und für wen bieten ich Hilfe an? Was sind die Stärken der Suchtselbsthilfe? Was zeichnet unsere Art der Hilfe aus?
Genauso gilt es, die Grenzen des eigenen Engagements realistisch einzuschätzen und zu beachten: Für welche Fragen und Probleme bin ich nicht zuständig? Wo können andere besser helfen? Es ist wichtig, diese Fragen für sich zu beantworten, vor allem wenn es um die Kontaktaufnahme zur professionellen Suchthilfe geht.
Insbesondere ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, was die eigene Qualität der Suchtselbsthilfe ausmacht und wo die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements liegen. Auch wenn es Berührungspunkte gibt, sind Suchtgefährdetenhelfer weder Ärzt*innen, noch Therapeut*innen oder Sozialarbeiter*innen. Partner*innen aus der beruflichen Suchthilfe sind keine Konkurrent*innen. Im besten Fall ergänzen sich die verschiedenen Angebote. Auch Suchtselbsthilfegruppen anderer Verbände sind keine Konkurrenz.
Genauso unterschiedlich wie die Arbeitsweisen in der beruflichen Suchthilfe, sind auch die Profile der Selbsthilfeverbände und ihrer Gruppen. Es ist gut, wenn Hilfesuchende zwischen verschiedenen Selbsthilfegruppen wählen können.
Eine Zusammenarbeit mit Netzwerkpartner*innen funktioniert nur, wenn es gelingt, die unterschiedlichen Konzepte und Angebote stehen zu lassen. Jeder Ansatz hat – aus der jeweiligen Sicht – seine Berechtigung. Alle arbeiten nach „bestem Wissen und Gewissen“. Eine gute Kenntnis der Arbeit der anderen erleichtert es, sich in deren Sichtweise hineinzuversetzen.
Diese Annahme ist wichtig, um einerseits selbstbewusst und auf Augenhöhe im Netzwerk zu kommunizieren und gleichzeitig Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen und anzuerkennen. Selbstbewusst heißt, sich weder in die Rolle des Bittstellers noch des Besserwissers zu begeben, sondern selbstbewusst die Wirksamkeit der Betroffenenkompetenz der Suchtselbsthilfe zu vertreten und ihren Stellenwert für die Versorgung suchtkranker Menschen deutlich zu machen.
Der erste Schritt ist oft, interessante und wichtige Akteur*innen aus Ihrer Stadt oder Gemeinde anzusprechen, die du bereits kennst. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Schaue für ein erfolgreiches Netzwerk auch mal über den Tellerrand. Recherchiere weitere mögliche Partner*innen.
Kennst du Personen, die den Kontakt zu möglichen Partner*innen vermitteln können? Am besten ist es, wenn du mit deinen Wunschpartner*innen persönlich sprichst, also sie beispielsweise anrufst, besuchst oder bei einer Veranstaltung das persönliche Gespräch suchst. E-Mails sind dagegen weniger erfolgsversprechend.
Lade deine Wunschpartner*innen persönlich zu Veranstaltungen (z.B. Sommerfeste) ein und sprich sie direkt an, wenn sie kommen. Du kannst auch eigene Fachveranstaltungen organisieren, zu denen du deine Wunschpartner*innen einlädst. Nicht nur als Gäste, sondern zum Beispiel auch, um einen fachlichen Input zu geben.
Fachveranstaltungen, Fachtagungen oder Konferenzen zum Thema Sucht oder Gesundheit sind sehr gute Anlässe, wo du mögliche Netzwerkpartner*innen treffen kannst. Du kannst dich auch aktiv z.B. mit Redebeiträgen in solche Veranstaltungen einbringen und die Sichtweise der Suchtselbsthilfe deutlich machen. Nutze die Pausen, um deine Wunschpartner*innen direkt anzusprechen. Mit Visitenkarten kannst du deinem Wunschpartner Interesse signalisieren und ihm deine Kontaktdaten in die Hand drücken. In den Newslettern der Landesstelle für Suchtfragen werden viele solcher Veranstaltungstermine angekündigt.
Du kannst mit eigenen Veranstaltungen oder Infoständen an Kampagnen und Aktionstagen teilnehmen. Zum Beispiel an der alle zwei Jahre stattfindenden Aktionswoche Alkohol (https://www.aktionswoche-alkohol.de/hintergrund-alkohol). Einige Landesstellen für Suchtfragen koordinieren die Veranstaltungen zu der Aktionswoche in ihrem Bundesland und die Vorbereitungstreffen sind eine gute Möglichkeit, sich kennen zu lernen und zu vernetzen.
Wenn du die Möglichkeit hast, an Fachgremien (Foren, Ausschüssen, Arbeitskreisen, Runden Tischen etc.) teilzunehmen, nutze sie. So kannst du dich in bereits bestehende Netzwerke einbringen und diese mitgestalten. Landesstellen für Suchtfragen, Suchthilfereinrichtungen aber auch Parteien laden häufig zu öffentlichen Veranstaltungen ein.
Das Knüpfen und Pflegen von Kontakten ist ein Teil der Netzwerkarbeit. Nach dem ersten Kontakt solltest du verbindlich bleiben und dich zum Beispiel telefonisch oder per E-Mail für das Gespräch bedanken. Wenn du eine Zusage gemacht hast, solltest du diese Zusage auch kurzfristig einhalten. Denn Unverbindlichkeit kann sehr ärgerlich sein. Da es mit einer einmaligen Kontaktaufnahme nicht getan ist, solltest du dein Netzwerk weiter pflegen.
