Was ist Mehrfachabhängigkeit?
Unter Mehrfachabhängigkeit (auch Polytoxikomanie genannt), versteht man die Abhängigkeit von mehreren Suchtmitteln oder Verhaltensweisen zur gleichen Zeit über einen gewissen Zeitraum. Die Konsummuster haben sich in den letzten Jahren dahingehend gewandelt, dass immer weniger Menschen nur von einer Substanz abhängig sind. Häufig spielen nicht nur mehrere Substanzen oder auch stoffungebundene Süchte eine Rolle, sondern auch psychische Probleme.
Nach ICD-10 liegt Polytoxikomanie vor allem vor, wenn ein chaotischer oder wahlloser Konsum stattfindet oder bestimmte Substanzen miteinander vermischt werden. Häufig ist es für die Betroffenen mehr oder weniger egal, was sie einnehmen, es geht lediglich darum, einen Effekt zu spüren und nicht nüchtern zu sein.
Gründe für die Einnahme mehrerer Substanzen können auch sein: gegenseitige Wirkungsverstärkung, Substanzen als Mittel gegen Entzugserscheinungen durch andere Substanz, Wirkungsausgleich (abwechselnd aufputschende und beruhigende Substanzen), um Toleranzbildung entgegenzuwirken.
Die Behandlung vom Menschen mit Mehrfachabhängigkeit gestaltet sich häufig kompliziert. Sowohl in der Klink als auch in Selbsthilfegruppen gilt es die besonderen Herausforderungen zu beachten und darauf Rücksicht zu nehmen.
- Diagnose und Behandlung: Es kann schwierig sein, eine genaue Diagnose zu stellen und einen angemessenen Behandlungsplan zu erstellen.
- Entzugssymptome: Mehr Entzugssymptome gleichzeitig durch verschiedene Substanzen. Sie können oft schwerwiegender sein als bei nur einer Substanz.
- Psychische Gesundheit: Höhere Rate von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen, aber auch Persönlichkeitsstörungen.
- Rückfälle: Häufiger als bei Personen, die nur von einer Substanz abhängig sind. Dies kann aufgrund der erhöhten Schwierigkeit bei der Behandlung und der Komplexität der Erkrankung auftreten.
- Soziale Probleme: Häufig treten vermehrt soziale Probleme wie Arbeitsplatzverlust, finanzielle Schwierigkeiten, kriminelles Verhalten und familiäre Probleme auf.

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2023 hat das Bundeskriminalamt 2227 drogenbedingte Todesfälle registriert – etwa doppelt so viele wie vor zehn Jahren und rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr (1990 Fälle). Darunter waren 1844 Männer und 383 Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren und ist somit weiter angestiegen.
Bei 1479 der Verstorbenen wurde ein Mischkonsum verschiedener illegaler Substanzen festgestellt. Das sind 34 Prozent mehr als 2022.
Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen Burkhard Blienert schätzt die Lage als „sehr ernst“ ein. „Mit 2227 Drogentoten haben wir die höchste Zahl, die je registriert wurde. Und ich befürchte, dass es in der Realität noch mehr Drogentodesfälle gibt – wir haben viel zu wenige toxikologische Gutachten und Obduktionen. Für mich ist diese Situation extrem schmerzhaft. Hinter den blanken Zahlen verbirgt sich unendliches Leid für die Betroffenen, ihre Familien, das ganze Umfeld.”
Was sich an den Zahlen zeigt, ist, dass der Mischkonsum auch in Deutschland zu einem immer größeren Problem wird: Immer mehr Drogenkonsumenten nehmen verschiedene Drogen nebeneinander.
