SoberGuides Lektion 3.4: Phasen der Veränderung

Veränderung ist ein Prozess – Die Phasen der Veränderung nach Proschaska und DiClemente

Das Modell der Phasen der Veränderung, entwickelt von James Prochaska und Carlo DiClemente, beschreibt den Prozess, den Menschen durchlaufen, wenn sie ihr Verhalten ändern möchten. Dieses Modell wurde zunächst im Bereich der Raucherentwöhnung entwickelt, wurde aber später auf andere Verhaltensänderungen wie Gewichtsverlust, Alkohol- oder Drogenentzug, Bewegung oder Ernährung angewendet. Die Phasen sind:

1. Absichtslosigkeit

In dieser Phase ist die Person sich des Problems oder der Notwendigkeit einer Veränderung nicht bewusst. Sie leugnen möglicherweise, dass es ein Problem gibt, oder sie erkennen es einfach nicht. Menschen in dieser Phase zeigen wenig bis gar keine Absicht, ihr Verhalten zu ändern.

2. Absichtsbildung

In dieser Phase beginnt die Person, das Problem anzuerkennen und darüber nachzudenken, wie eine Veränderung aussehen könnte. Sie sind sich der negativen Auswirkungen ihres Verhaltens bewusst und erwägen, etwas dagegen zu unternehmen, aber sie haben noch keine konkreten Pläne zur Veränderung.

3. Vorbereitung

In dieser Phase hat die Person die Absicht, ihr Verhalten in naher Zukunft zu ändern. Sie beginnen, konkrete Schritte zu planen, um die Veränderung umzusetzen, und können bereits kleine Veränderungen vornehmen, um sich darauf vorzubereiten.

4. Handlung

In dieser Phase setzt die Person aktiv Maßnahmen zur Veränderung ihres Verhaltens um. Sie haben konkrete Schritte unternommen, um das gewünschte Verhalten zu etablieren oder das unerwünschte Verhalten zu beenden. Diese Phase erfordert eine beträchtliche Anstrengung und Einsatz, um die Veränderung erfolgreich umzusetzen.

5. Aufrechterhaltung

In dieser Phase arbeitet die Person daran, das neue Verhalten aufrechtzuerhalten und Rückfälle zu vermeiden. Es geht darum, die Veränderung langfristig zu festigen und neue Gewohnheiten zu etablieren. Diese Phase kann eine beträchtliche Zeit dauern und erfordert weiterhin Anstrengungen, um auf Kurs zu bleiben.

6. Stabilisierung

Das 6. Stadium ist in der Originalliteratur von Prochaska und di Clemente nicht enthalten. Es wurde später von anderen Autoren vereinzelt hinzugefügt.

In einigen Versionen des Modells der Phasen der Veränderung wird die Phase der Stabilisierung, auch bekannt als “Abschluss”, als zusätzliche Phase hinzugefügt. Sie bezieht sich auf eine Phase, in der die Veränderung vollständig etabliert ist und die Person keine Anstrengungen mehr unternehmen muss, um das neue Verhalten aufrechtzuerhalten.

In der Phase der Stabilisierung hat die Person das Verhalten erfolgreich geändert und hat ein hohes Maß an Vertrauen, dass sie in der Lage ist, das neue Verhalten ohne Rückfälle aufrechtzuerhalten. Diese Phase kann als Endpunkt des Veränderungsprozesses betrachtet werden, in dem das neue Verhalten fest in den Lebensstil der Person integriert ist und als selbstverständlich angesehen wird.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Versionen des Modells diese Phase enthalten, und in einigen Interpretationen wird argumentiert, dass die Phase der Aufrechterhaltung (Maintenance) bereits die Stabilisierung des neuen Verhaltens impliziert. Dennoch wird die Phase der Stabilisierung in einigen Modellen als eigenständige Phase angesehen, um den Aspekt der vollständigen Integration und Stabilität des neuen Verhaltens zu betonen.

Anmerkung Rückfall

Die Person kehrt zu alten Verhaltensweisen zurück, die sie zuvor geändert hatte. Rückfälle sind oft ein normaler Teil des Veränderungsprozesses. Das lineare Durchlaufen der Phasen ist eher die Ausnahme als die Regel. Bis eine dauerhafte Veränderung erreicht wird, werden die Phasen der Veränderung unter Umständen mehrmals durchlaufen.