SoberGuides Lektion 3.3: Die fünf Axiome nach Paul Watzlawik

5 Axiome der Kommunikation nach Paul Watzlawick

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.

Praktisches Beispiel:

Ein Beispiel wäre ein Mann, der in einer Selbsthilfegruppe sitzt und die ganze Zeit nur auf den Boden starrt. Zunächst könnte man annehmen, er würde nicht kommunizieren. Dennoch tut er es, denn auch durch den Blick zu Boden vermittelt er etwas, z. B. das er unsicher ist.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.

Der Inhaltsaspekt erhält die Aufgabe Informationen zu vermitteln.

Der Beziehungsaspekt gibt Aufschluss darüber, wie die Beziehung vom Empfänger aufgefasst wird.

Bezüglich der Übertragung auf die Kommunikationssituation lässt sich sagen, dass es keine rein informative Kommunikation gibt. Jede Äußerung enthält eine Beziehungsaussage.

Bei der Aussage „Ich trinke zu viel.“ – Denkt der SoberGuide vermutlich an einen erhöhten Alkoholkonsum des Hilfesuchenden. “Ich trinke zu viel” kann sich aber auch auf andere nicht-alkoholische Getränke beziehen. Durch die Rolle des SoberGuides und die Rolle der hilfesuchenden Person wird ein bestimmter Kontext und deren Beziehungsebene definiert.

Eine negative Beziehung kann zu einer gestörten Kommunikation führen.

Beispiel:

Ein neuer Teilnehmer kommt in die Selbsthilfe-Gruppe. Du begrüßt ihn, aber magst ihn einfach nicht. Dadurch kann es dazukommen, dass du seine Wortmeldungen abwertest, obwohl sie vielleicht ganz wertvoll für die Gruppe sind.

3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.

Auch hier lassen sich Regeln festhalten:

  • Jeder Teilnehmer einer Interaktion gibt der Beziehung eine Struktur
  • Auf jeden Reiz folgt eine Reaktion (Verhaltenskette)
  • Jeder Reiz ist zugleich auch Kommunikation, da eine Kommunikation kreisförmig verläuft. Es gibt keinen Anfangs- und Endpunkt

Praktisches Beispiel:

Ein Ehemann beschwert sich, seine Frau würde sich ständig betrinken. Die Frau jedoch weist darauf hin, dass sie nur so viel trinkt, weil ihr Ehemann ständig an ihr herumnörgelt. Der Ehemann nörgelt also und die Frau trinkt. Weil sie trinkt, nörgelt er. Es wird deutlich, dass es sich um einen Teufelskreis handelt.

4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

In der Kommunikation gibt es zwei Möglichkeiten Objekte darzustellen. Zum einen kann man sie durch die Analogie (z.B. eine Zeichnung) ausdrücken oder dem Objekt einen Namen geben. Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken…) teilen etwas mit.

  • Digital: Inhaltsaspekt einer Nachricht, es wird komplexes Wissen übermittelt. Logische Verknüpfungen und Negationen lassen sich ausdrücken
  • Analog: Beziehungsaspekt einer Nachricht, wesentlich älter.

Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, entbehrt aber auf dem Gebiet der Beziehungen einer Semantik.

Digital = verbal – vermittelt die Inhaltsaspekte

Die analoge Kommunikation verfügt über ein solches semantisches Potenzial auf dem Gebiet der Beziehungen, entbehrt aber einer Syntax, die eine eindeutige Definition der Natur von Beziehungen leisten könnte. Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene.

Analog = non-verbal – vermittelt die Beziehungsebene

Es gibt Tränen des Schmerzes und der Freude und ein Lächeln kann Sympathie oder Verachtung ausdrücken. Analoge Kommunikation ist mehrdeutig und kann unterschiedlich entschlüsselt werden. Durch mögliche Fehlinterpretationen können Konflikte zwischen den Kommunikationspartnern entstehen.

Praktisches Beispiel:

Ein Arzt erklärt einer Schulklasse, wie Drogen auf den Körper wirken und sieht in den Gesichtern der Schüler aufgrund der Mimik Entsetzen und Ekel.

5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Beziehungen zwischen Partnern basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit.

In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedliche Verhaltensweisen und bestimmen den Interaktionsprozess. Die Beziehungsgrundlage besteht hierbei im Unterschied der Partner. Häufig drückt sich diese Unterschiedlichkeit in einer Unterordnung aus, d.h. der eine hat die Oberhand über den anderen.

Eine symmetrische Beziehungsform zeichnet sich dadurch aus, dass die Partner sich bemühen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren (Streben nach Gleichheit).

  • Sind die Kommunikationsabläufe symmetrisch, so handelt es sich um 2 gleichstarke Partner, die nach Gleichheit und Verminderung von Unterschieden streben. Es könnte auch“spiegelhaftes Verhalten” der Partner genannt werden.
  • Sind die Abläufe komplementär gibt es immer einen“superioren” (überlegen, übergeordnet) und einen “inferioren” (unterlegen, untergeordnet) Die Partner ergänzen sich in ihrem Verhalten.

Praktisches Beispiel:

In einer Selbsthilfe-Gruppe werden Zweier-Übungen gemacht. Es wird in der Partnerübung über die gleichen Aussagen gelacht und die gleichen Ansichten vertreten. Nicht nur s

Quelle: https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

In diesem Video werden dir die 5 Axiome noch einmal anschaulich erklärt: