Was ist Suchtselbsthilfe?
Die Selbsthilfe im Suchtbereich ist eine Hilfe für Betroffene von Betroffenen. Vor, während und nach der professionellen therapeutischen und medizinischen Hilfe sowie unabhängig davon, können Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige sich an eine Suchtselbsthilfegruppe oder einen Suchtselbsthilfe-Verband wenden.
Suchtselbsthilfe basiert auf dem freiwilligen Zusammenschluss von Betroffenen und Angehörigen. Selbstbestimmter, regelmäßiger Austausch, z.B. in der Gruppe, ist das Kennzeichen der Selbsthilfe.
In der Selbsthilfe nehmen Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand, übernehmen Verantwortung für sich und andere.
Sei es bei der Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen und Krisen, bei gemeinsamen Aktivitäten, dem Entdecken und Wiederentdecken eigener Ressourcen und Perspektiven und vor allem dabei, nicht allein zu sein mit der Entscheidung, suchtfrei zu leben. Die Suchtselbsthilfe ist ein aktiver Partner in der Suchthilfe, denn im Gegensatz zu den zeitlich unterschiedlich stark befristeten beruflichen Suchthilfeangeboten bietet die Suchtselbsthilfe unbefristet und zu jedem Zeitpunkt im Suchtverlauf Unterstützung an: Sie ist vor, während, nach oder anstelle einer professionellen Behandlung aktiv!

Warum Selbsthilfe?
Diese Ausbildung für ehrenamtliche SoberGuides ist Teil der Sucht-Selbsthilfe. Deshalb bekommst du im Folgenden einen Einblick in die Sinnhaftigkeit von Selbsthilfe.
10 gute Gründe für die Selbsthilfe (DHS)
In einer Selbsthilfegruppe treffen sich Menschen, die von der gleichen Krankheit betroffen sind oder das gleiche „Problem“ haben – und dieses lösen wollen. Sie sprechen über ihre Schwierigkeiten im Alltag, lernen voneinander und machen sich gegenseitig Mut. Das hilft dabei, das eigene Leben positiv zu verändern.
Selbsthilfe bedeutet, besser klarzukommen. Mit der Krankheit und mit dem Leben. Selbsthilfegruppen sind offen für alle und sie sind suchtmittelfrei.
Mit Unterstützung einer Selbsthilfegruppe kann man es schaffen, sein Suchtproblem in den Griff zu bekommen. Denn Selbsthilfe wirkt!
Krisen können kommen und in solchen Situationen hilft die Gruppe dabei, die gefährliche Zeit zu überbrücken. Selbsthilfe bewahrt vor Rückfallen.
Und wenn es doch passiert ist?
Dann fängt die Selbsthilfegruppe einen auf. Auch nach einem Rückfall bist du immer willkommen. Die Menschen in der Gruppe sind Verbündete. Sie geben wieder Mut und Hoffnung, von neuem „aufhören“ zu können. Und es zu schaffen.
Gleichbetroffene sind Gleichgesinnte. Alle in der Gruppe haben das gleiche „Problem“ und wissen also genau, was dir zu schaffen macht. Das heißt: Du wirst verstanden. Mit allem, was dich beschäftigt und verzweifeln lässt. Verständnis entlastet und macht das Leben etwas einfacher. Und es gibt Rückhalt. Geteiltes Leid ist oft halbes Leid – mitgeteiltes Leid auch!
In der Selbsthilfegruppe findest du wieder Anschluss. Viele Gruppen unternehmen auch gemeinsam etwas in der Freizeit. Spaß zu haben, ist erlaubt!
In der Selbsthilfegruppe kannst du dich mit Menschen austauschen, die das Gleiche durchmachen wie du. Oder schon durchgemacht haben. Die anderen Teilnehmer kennen nicht nur ihre Probleme, sondern kennen sich sehr gut damit aus. Mit den Nöten und Ängsten. Mit den Versuchen, auf eigene Faust suchtfrei zu bleiben. Und auch mit der Enttäuschung, wenn es nicht geklappt hat. Gleichbetroffene sind Experten. Die Erfahrungen der anderen Teilnehmer helfen also auch dir.
In der Selbsthilfegruppe erfährst du viel Wissenswertes über deine Krankheit. Das hilft zu verstehen, wie es so weit kommen konnte – und wie du die Sucht überwinden kannst. Selbsthilfe ermöglicht ein Leben ohne Suchtmittel.
Selbsthilfe bedeutet, sein Leben selber in die Hand zu nehmen. Sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen und aktiv zu werden. Denn du bist nicht dem Schicksal ausgeliefert, sondern hilfst dir selbst.
In einer Selbsthilfegruppe lernst du Menschen kennen, an denen du dich orientieren kannst – weil sie mit den gleichen Problemen fertig werden mussten, die auch dir jeden Tag begegnen. In der Gruppe kannst du beobachten, was andere schon geschafft haben. Und auf welche Weise sie es geschafft haben. Ein solches Geländer zu haben, an dem man sich voran tasten kann, gibt Zuversicht. Und den Mut, es ebenfalls schaffen zu können!
Jeden Tag der gleiche sinnlose Streit um dasselbe Thema? Oder du hast dich immer entzogen, sobald es brenzlig wurde? In der Selbsthilfegruppe lernst du, besser mit Konflikten umzugehen. Anders reagieren zu können, wenn es stressig wird. Plötzlich merkst du wieder, welche Fähigkeiten in dir stecken und wie du diese nutzen kannst – jeden Tag ein bisschen mehr. Im geschützten Rahmen der Gruppe kannst du auch ganz neue Methoden üben, um die Schwierigkeiten des Alltags zu bewältigen.
Eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, bringt dir aber noch mehr. Zum Beispiel, alte Dinge in einem neuen Licht sehen zu können. Sich selbst besser zu verstehen. Immer ermutigt und angespornt von Menschen, die in der gleichen Situation sind wie du.
Du kennst das vielleicht von Krankenkassen und Ämtern: Wer Hilfe benötigt, muss erst einmal einen Antrag einreichen. Er muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Und dann wird das Ganze geprüft. Bis zur Bewilligung kann es wochenlang dauern. Irgendwann liegen die Nerven blank.
In der Selbsthilfe ist das anders. Hier gibt es keine Anträge, die ausgefüllt werden müssen. Keine schriftliche Anmeldung. Keine Kosten. Denn Selbsthilfegruppen treffen sich aus eigener Initiative. Meist wöchentlich oder alle zwei Wochen. Neulinge sind jederzeit willkommen – und das ohne jeden Papierkram. Sie müssen keinerlei Voraussetzungen erfüllen.
Ob du in einer Großstadt lebst oder in einem Dorf – virtuelle Selbsthilfegruppen findest du überall. Und nicht nur das: Sie sind auch fast immer erreichbar. Zeitlich und räumlich. In der Selbsthilfe gibt es weder festgelegte Öffnungszeiten noch Wartezeiten – ein Anruf genügt, um den Termin des nächsten Gruppentreffens zu erfahren. Zu den meisten Gruppen kannst du dann unmittelbar hingehen und bist willkommen. Selbsthilfe ist einfach.
Alle Gespräche in der Selbsthilfegruppe sind streng vertraulich. Was immer du von dir erzählst, bleibt in der Gruppe. Kein Außenstehender erfährt davon, weder die Kollegen noch deine Familie. Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe zu sein, hat also keine Nachteile für dich. Nur Vorteile. Und: Selbsthilfe ist etwas Freiwilliges. Du nimmst freiwillig an der Gruppe teil. Du allein entscheidest darüber, wie viel du von dir preisgibst. Es gibt auch kein Ziel, das du auf jeden Fall erreichen musst, um wiederkommen zu können. Und wenn du in der Gruppe bleiben willst – dann ist auch das freiwillig.
Du weißt nicht mehr weiter, weil dein Partner trinkt oder zockt? Niemand in deinem Umfeld kann verstehen, wie schwer die Krankheit deines Partners dein eigenes Leben belastet, vielleicht auch das deiner Kinder? Selbsthilfe ist für dich als Angehörige und Mitbetroffene da. Mit Rat und Unterstützung. Regelmäßige Gespräche mit Menschen, die in der gleichen Situation sind wie du, bauen wieder auf und geben dir Rückhalt. Der Erfahrungsaustausch nimmt Druck von Ihnen, das tut gut. In der Gruppe bekommst du auch praktische Alltagstipps und jede Menge Wissen vermittelt. Das stärkt dein Selbstvertrauen und gibt neue Kraft. Es macht auch Mut, den eigenen Weg zu finden – und ihn zu beschreiten.
Wo finden diese Gründe ihren Einsatz bei den SoberGuides?
Die 10 Gründe aus der Broschüre der DHS können für die Beratung im Einzelgespräch (Telefon, Chat, E-Mail) genutzt werden.
Die Broschüre der DHS ist kostenlos erhältlich und kann auf der Rückseite mit einem Stempel oder Aufkleber versehen werden und in den Gruppen verteilt werden.
Hier kannst du sie herunterladen:
Die 5 Suchtselbsthilfe-Verbände
Blaues Kreuz in Deutschland e.V.
Der Verein “Blaues Kreuz in Deutschland e.V.” (BKD) ist ein christlicher Suchthilfeverband und sieht seinen Auftrag darin, Suchtkranken und Angehörigen zeitgemäß und kompetent zu helfen und einer Suchtentwicklung vorzubeugen.


Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche – Bundesverband e. V
Das BKE ist eine Selbsthilfe-Organisation in der Suchtkrankenhilfe. Die Arbeit ist geprägt durch das Prinzip der Selbsthilfe, organisiert in den Gruppen vor Ort. Hier werden gemeinsam Suchtprobleme gelöst.
Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe – Bundesverband e. V.
Freundeskreise mit ihren Gruppen sind Selbsthilfegruppen in denen Menschen mit Suchterfahrungen sich selbst organisiert haben. In den Gruppen begegnen sich Menschen die Gleiches oder Ähnliches erfahren und erlebt haben. Das grundsätzliche Verständnis füreinander führt zu der Erkenntnis: Ich bin nicht allein, anderen geht es ebenso.


Guttempler in Deutschland e.V.
Weltweit – seit 170 Jahren! Die Guttempler sind unabhängig, überparteilich und offen für jeden:
„Für ein friedliches Leben ohne Sucht.“
Kreuzbund e. V. – Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige
Der Kreuzbund hat seinen Ursprung in der Katholischen Kirche. In den Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes treffen sich wöchentlich rund 22.000 Menschen.

Weitere Gruppen und Institutionen
Anonyme Gruppen
Die Anonymen-Gruppen werden auch 12-Schritte-Gruppen genannt, da sie nach dem sogenannten 12-Schritte-Programm arbeiten. Dieses wurde ursprünglich von den Anonymen Alkoholikern entwickelt, um Alkoholikern zu einer abstinenten Lebensweise zu verhelfen. Inzwischen gibt es zu zahlreichen anderen Themen Anonyme-Gruppen, die nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker arbeiten. Eine Übersicht findet sich im Wikipedia Artikel zum 12-Schritte-Programm.

Nicht verbandsgebundene Gruppen
Es gibt einige Suchtselbsthilfegruppen, die nicht bei einem der fünf großen Verbände angesiedelt sind oder nach den 12-Schritten arbeiten. Auch gibt es zahlreiche Gruppen, die in kleineren Verbänden wie z. B. der Freiwillige Suchtkrankenhilfe e. V. organisiert sind. Die Suchtselbsthilfe ist vielfältig, sodass jede*r die für sich passende Gruppe finden kann. Wichtige Anlauf- und Informationsstellen für nicht verbandsgebundene Gruppen sind die Landesstellen für Suchtfragen und die Selbsthilfekontaktstellen.
Landesstellen für Suchtfragen
Die Landesstellen für Suchtfragen sind Anlaufstellen und Dachorganisationen für die in der Suchthilfe und -prävention tätigen Verbände und Einrichtungen in den Bundesländern (außer Mecklenburg-Vorpommern). Sie sind autonom und keine Untergliederung der DHS.
Aufgaben der Landesstellen:
- Koordination und Vernetzung der Leistungsanbieter in der Suchthilfe, Selbsthilfe und Suchtprävention
- Moderation unterschiedlicher Interessenlagen zu Sucht und Suchthilfe zwischen Betroffenen, Praxis, Institutionen, Trägern, Verbänden, Sozialpartnern, Verwaltung und Politik
- Öffentliche Information über das Suchthilfesystem und die Angebote der Suchtselbsthilfe (…)
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in den Themenbereichen Suchthilfe, -prävention, -selbsthilfe
- Unterstützung der Mitgliederverbände, -vereine und -einrichtungen
- Interessensvertretung der Mitgliedsorganisationen gegenüber Politik und Verwaltung
- Regionale und überregionale Kooperation mit relevanten Fachverbänden und Institutionen
- Zusammenfassung und Vermittlung fachlicher Kompetenzen in der Suchthilfe und -prävention
- Durchführung von übergreifenden Kampagnen und Projekten zu den Themen Sucht und Suchthilfe
- Transfer der fachpolitischen Entwicklungen und Beschlüsse des Senats, der Bürgerschaft und der Behörden in die Praxis der Suchthilfe
- Förderung der Vernetzung der Suchtselbsthilfe mit der professionellen Suchthilfe
- Durchführung von Veranstaltungen zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit der Suchtselbsthilfe
Selbsthilfekontaktstellen
Selbsthilfekontaktstellen sind wichtige Anlaufstellen für Selbsthilfegruppen und an Selbsthilfe Interessierte.
Aufgaben:
- Sie informieren und beraten Interessierte zur Selbsthilfe
- Sie unterstützen bei Gruppengründungen und vermitteln in bestehende Gruppen
- Sie stellen Räume und Arbeitsmaterialien für Gruppen und Initiativen zur Verfügung
- Sie begleiten und bestärken Gruppen in ihren Anliegen (z.B. bei Konflikten, der Öffentlichkeitsarbeit, Beantragung von Fördermitteln)
- Sie organisieren Veranstaltungen rund um das Thema Selbsthilfe
- Sie wirken in Arbeitskreisen mit und betreiben Netzwerkarbeit

Was macht eine Selbsthilfekontaktstelle?

Selbsthilfekontaktstellen kann man über die roten Adressen der Nakos suchen.
Eine Übersicht über die Landesstelle für Suchtfragen findet sich auf Seiten der DHS.


