
Beziehungsabhängigkeit, oft auch als Beziehungssucht oder Co-Abhängigkeit bezeichnet, ist ein Zustand, bei dem eine Person emotional stark von ihrem Partner/ ihrer Partnerin oder von Beziehungen im Allgemeinen abhängig ist. Diese Abhängigkeit kann sich in verschiedenen Formen äußern und hat oft negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung der betroffenen Person.
Merkmale und Aspekte der Beziehungsabhängigkeit:

Übermäßiges Bedürfnis nach Anerkennung und Bestätigung:
Die betroffene Person sucht ständig nach Bestätigung und Anerkennung von ihrem Partner/ ihrer Partnerin und fühlt sich ohne diese Bestätigung wertlos oder unsicher..

Angst vor dem Alleinsein:
Eine starke Angst davor, allein zu sein oder verlassen zu werden, treibt die Person dazu, in einer Beziehung zu bleiben, auch wenn diese ungesund oder schädlich ist.

Vernachlässigung eigener Bedürfnisse:
Beziehungsabhängige Menschen neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zugunsten ihres Partners/ ihrer Partnerin zu vernachlässigen. Sie stellen oft das Wohl des Partners/ der Partnerin über ihr eigenes Wohlbefinden.

Kontroll- und Anpassungszwang:
Es besteht ein starkes Bedürfnis, den Partner/ die Partnerin zu kontrollieren oder sich dem Partner/ der Partnerin vollständig anzupassen, um die Beziehung aufrechtzuerhalten.

Emotionale Abhängigkeit:
Die emotionale Abhängigkeit von der Beziehung führt dazu, dass die betroffene Person extreme emotionale Reaktionen auf die Handlungen und Stimmungen ihres Partners/ ihrer Partnerin zeigt.

Mangelndes Selbstwertgefühl:
Ein geringes Selbstwertgefühl ist oft eine Ursache für Beziehungsabhängigkeit. Die betroffene Person sucht in der Beziehung nach dem Gefühl der eigenen Wertigkeit.
Beziehungsabhängigkeit kann in extremen Fällen dazu führen, dass Menschen in missbräuchlichen oder ungesunden Beziehungen verharren, weil sie die emotionale Bindung und das Gefühl der Sicherheit nicht aufgeben können oder wollen.
Was kann man bei einer Beziehungsabhängigkeit machen?

Selbstreflexion und Bewusstsein:
Erkennen der Muster: Der erste Schritt besteht darin, die eigenen Verhaltensmuster und emotionalen Abhängigkeiten zu erkennen.
Tagebuch führen: Ein Tagebuch kann helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle besser zu verstehen und die Abhängigkeiten zu identifizieren.

Selbstwertgefühl stärken:
Selbstfürsorge: Sich Zeit für sich selbst nehmen, Hobbys nachgehen und Dinge tun, die Freude bereiten, kann das Selbstwertgefühl stärken.
Positive Selbstgespräche: Negative Selbstgespräche durch positive Affirmationen ersetzen.

Gesunde Grenzen setzen:
Grenzen erkennen und kommunizieren: Lernen, eigene Grenzen zu erkennen und sie klar und respektvoll zu kommunizieren.
Nein sagen lernen: Die Fähigkeit entwickeln, ohne Schuldgefühle „Nein“ zu sagen.

Unabhängigkeit fördern:
Eigene Interessen pflegen: Hobbys und Aktivitäten nachgehen, die unabhängig vom Partner sind.
Soziales Netzwerk aufbauen: Freundschaften und soziale Kontakte außerhalb der Beziehung pflegen.

Therapie und Beratung:
Einzeltherapie: Eine Therapie kann helfen, die tiefer liegenden Ursachen der Beziehungsabhängigkeit zu erforschen und zu bearbeiten.
Paartherapie: Wenn beide Partner bereit sind, kann eine Paartherapie helfen, gesündere Beziehungsmuster zu entwickeln.

Selbsthilfegruppen:
Austausch mit Gleichgesinnten: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Achtsamkeit und Meditation:
Achtsamkeitspraxis: Achtsamkeit kann helfen, im Moment zu leben und sich weniger von negativen Gedanken und Ängsten beeinflussen zu lassen.
Meditation: Regelmäßige Meditation kann das emotionale Gleichgewicht fördern.

Bildung und Wissen:
Bücher und Ressourcen: Lesen von Büchern und Artikeln über Beziehungsabhängigkeit kann helfen, das eigene Verhalten besser zu verstehen und zu ändern.

Geduld und Mitgefühl mit sich selbst:
Selbstmitgefühl entwickeln: Freundlich und geduldig mit sich selbst sein, während man an der Überwindung der Abhängigkeit arbeitet.
Rückschläge akzeptieren: Akzeptieren, dass Rückschläge Teil des Prozesses sind und nicht das Ende des Fortschritts bedeuten.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt für Angehörige von Suchtkranken nicht den Begriff Co-Abhängige zu verwenden. Stattdessen empfiehlt sie von Mitbetroffenen zu sprechen.
“Nach dem Konzept der „Co-Abhängigkeit“ werden Angehörige gleichermaßen zu potenziell Kranken erklärt, deren Heilungsweg ausschließlich in Form von
Abgrenzung zum Suchtkranken möglich ist, unabhängig vom Wunsch des belasteten Paares bzw. des Angehörigen (DHS, 2013)”.
Wenn du magst, höre dir diesen Podcast zum Thema “Co-Abhängigkeit” und Esssucht an:

