Bei der Motivierenden Gesprächsführung gehen wir davon aus, dass es im Hilfesuchenden eine innere Quelle voll Weisheit und Erfahrung gibt, aus der der Beratende schöpfen kann. Viel von dem, was benötigt wird, ist bereits vorhanden, und es geht darum, es hervorzuholen oder ans Licht zu bringen. Wir haben deshalb großes Interesse am Blickwinkel und der Lebenserfahrung des Hilfesuchenden.
Nach Miller und Rollnick
Die Motivierende Gesprächsführung – auch Motivational Interviewing (MI) genannt – ist ein anerkanntes Konzept im Gesundheits- und Sozialwesen. Die Motivierende Gesprächsführung gilt auch in der Suchtselbsthilfe als Leitkonzept. Die Methode wurde von den US-amerikanischen Psychologen William R. Miller und Stephen Rollnick entwickelt.
Ziel der Motivierenden Gesprächsführung ist es, Hilfesuchende durch einen kooperativen Gesprächsstil in der eigenen Motivation für Veränderungen zu stärken. Durch diese Art der Gesprächsführung können Barrieren beim Gesprächspartner abgebaut und Veränderungsprozesse angeregt werden. Die Veränderungsmotivation des Hilfesuchenden kann so gefördert und das Rückfallrisiko gesenkt werden.

“Menschen mit Suchtproblemen sind nicht unmotiviert, sondern ambivalent.”

Menschen mit einer Suchterkrankung wird gerne vorgeworfen, dass sie einfach nicht bereit wären, sich zu verändern. Die Motivierende Gesprächsführung geht jedoch davon aus, dass die Fähigkeit und Motivation zur Veränderung immer vorhanden ist. Sie ist nur mehr oder weniger stark ausgeprägt. Menschen, die eine Veränderung anstreben, verspüren eine gewisse Ambivalenz. Sie finden Argumente, die für die Veränderung sprechen, aber auch Argumente dagegen. Die Motivierende Gesprächsführung geht davon aus, dass Ambivalenz eine ganz normale Zwischenstufe auf dem Weg zur Veränderung ist. MI unterstützt die Hilfesuchenden, diese Ambivalenzen zu erkennen und die Bereitschaft zur Veränderung zu erhöhen.

Schaue dir diesen Vortrag zu Haltungen und Arbeitsweisen der Motivierenden Gesprächsführung an (49 Minuten):

Hier kannst du dir eine Vorlage der Entscheidungswaage runterladen. Die Methode wird im Video erklärt.

In der Zeitschrift “Ernährung im Fokus” des Bundeszentrum für Ernährung ist ein lesenswerter Artikel zur Motivierenden Gesprächsführung erschienen: “Alles eine Frage der Motivation? Motivational Interviewing in der Gesundheitsförderung”.
Inhalte auf Seiten des Bundeszentrum für Ernährung werden unter der Lizenz CC BY-NC-ND 4.0 veröffentlicht.
Begriffe der Motivierenden Gesprächsführung
In der nachfolgenden Grafik kannst du verschiedene Kreise anklicken Dort werden dir wichtige Begriffe der Motivierenden Gesprächsführung erklärt. Im Wurzelbereich, wird dir die Grundhaltung erklärt, am Stamm die Prinzipien und in der Baumkrone die Techniken.
Kooperation
Beratende und Hilfesuchende begegnen sich auf Augenhöhe. Der Beratende verfügt über Fachkenntnisse und der Hilfesuchende ist der Experte für seine eigenen Lebensumstände und früheren Versuche, etwas zu verändern.
Akzeptanz
Der Berater sollte akzeptieren, wer der Hilfesuchende ist, ohne ihn zu verurteilen oder zu bewerten. Die Motivierende Gesprächsführung geht davon aus, dass alle Menschen das Potenzial haben, Veränderungen vorzunehmen, und dass es notwendig ist, den Hilfesuchenden als gleichwertigen Partner in diesem Prozess zu betrachten.
Mitgefühl
“Mitgefühl zeigt sich darin, dass wir das Wohlbefinden des anderen aktiv fördern und seinen Bedürfnissen Priorität einräumen. Denn unser Tun soll den Interessen des Hilfesuchenden dienen und nicht in erster Linie uns selbst nützen. Mitgefühl
bedeutet, sich bewusst für das Wohl anderer einzusetzen und in ihrem besten Interesse zu handeln.” (Miller und Rollnick)
Das Mitgefühl wurde 2013 in die Motivierende Gesprächsführung aufgenommen, da ohne Mitgefühl die Motivierende Gesprächsführung auch manipulativ eingesetzt werden kann.
Evokation
Evokation kann man mit „Hervorrufen“, „Hervorlocken“, „Freisetzen“ übersetzen. In der Motivierenden Gesprächsführung geht man davon aus, dass die Hilfesuchenden die Motivation und Fähigkeiten zur Veränderung bereits in sich tragen. Ziel ist es, die Hilfesuchenden zu unterstützen, ihre Ressourcen zur Veränderung zu entdecken. Durch den Einsatz von Evokation in der Motivierenden Gesprächsführung können Gesprächspartner ihre eigenen Gründe und Motivationen für Veränderungen entdecken und verstärken. Dies kann dazu beitragen, dass Veränderungen nachhaltiger und langfristiger sind, da sie auf intrinsischen Motivationen basieren, die vom Gesprächspartner selbst identifiziert wurden.
Offene Fragen
Offene Fragen sind Fragen, die nicht mit einen einfachen “Ja” oder “Nein” beantwortet werden können. Stattdessen fordern sie den Antwortenden auf, ausführlicher zu antworten und ihre Gedanken, Meinungen oder Erfahrungen zu teilen. Offene Fragen können auch als “explorative Fragen” bezeichnet werden, da sie oft dazu verwendet werden, neue Informationen zu entdecken, Ideen zu generieren oder tiefer in ein Thema einzutauchen.
Einige Beispiele für offene Fragen könnten sein:
- Was denkst du über dieses Thema?
- Wie würdest du diese Situation lösen?
- Was sind deine Erfahrungen mit dieser Sache?
- Was ist dein Standpunkt in dieser Angelegenheit?
Die Hilfesuchenden erhalten einen Freiraum, damit sie sagen können, was sie denken und empfinden. Offene Fragen signalisieren Interesse und regen die Kreativität bei der Lösungssuche an. Offene Fragen stellen sicher, dass der Redeanteil des Gegenübers höher ist als der des Zuhörenden. Viele Menschen sind bereit, ihr Verhalten zu ändern, wenn sie ihre eigenen Gründe dafür erkennen und artikulieren können.
Zusammenfassen
Eine Zusammenfassung bezieht sich auf eine kurze und prägnante Darstellung der wichtigsten Punkte, die während eines Beratungsgesprächs oder -prozesses besprochen wurden. Sie dient dazu, sicherzustellen, dass alle Beteiligten das gleiche Verständnis von den besprochenen Themen haben und, dass wichtige Aspekte nicht übersehen oder vergessen werden.
Eine Zusammenfassung kann auch dazu beitragen, das Gespräch zu strukturieren und den Überblick zu behalten.
Hier ein paar Beispiele, wie man eine Zusammenfassung einleiten kann:
- Ich möchte noch einmal zusammenfassen, was wir heute besprochen haben.
- Um sicherzustellen, dass ich dich richtig verstanden habe, fassen ich kurz die wichtigsten Punkte zusammen.
- Bisher hast du gesagt, dass…
- Folgende Schritte hast du dir bis zu unserem nächsten Gespräch vorgenommen…
Affirmation (Würdigung)
Affirmation bezieht sich auf die Bestärkung und Unterstützung des Hilfesuchenden. Affirmationen sind positive Aussagen, die das Gegenüber in seiner Selbstwahrnehmung, seinem Selbstvertrauen und seinem Selbstwertgefühl stärken sollen. Sie können dazu beitragen, dass der Hilfesuchende seine Stärken und Ressourcen erkennt und sich auf seine Erfolge und Fortschritte konzentriert.
Würdigungen können in der Beratung auf verschiedene Weise eingesetzt werden, wie zum Beispiel durch das Hervorheben von positiven Eigenschaften, das Betonen von Fortschritten und Errungenschaften oder das Ermutigen von Selbstmitgefühl und Selbstakzeptanz.
Reflektierendes Zuhören
Reflektierendes Zuhören ist eine Technik in der Beratung, bei der der Berater aktiv zuhört und dem Hilfesuchenden die Möglichkeit gibt, seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Der Berater wiederholt oder paraphrasiert dann das, was das Gegenüber gesagt hat, um sicherzustellen, dass er richtig verstanden hat, was der Hilfesuchende meint. Ziel ist es, dem Gegenüber zu helfen, seine eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu verstehen und ihn dabei zu unterstützen, seine eigene Lösung zu finden. Durch reflektierendes Zuhören wird das Vertrauen zwischen Berater und Hilfesuchenden gestärkt und eine bessere Zusammenarbeit ermöglicht. Ebenfalls hilft es, Missverständnisse zu vermeiden.
Mit einer Reflexion versuchst du nachzuvollziehen, was der Hilfesuchende meint. Du kannst dich dabei am folgenden Punkten orientieren:
- Inhalt
- Gefühl
- Bedeutung/ Wichtigkeit
Informationen austauschen
Hierbei geht es darum, zu erfahren, was der Hilfesuchende bereits weiß. Dies muss dann nicht mehr thematisiert werden. Es geht aber auch darum, dem Hilfesuchenden Unterstützung anzubieten. Dies geschieht niemals ohne mich zu vergewissern, dass der Hilfesuchende die Information auch haben möchte.
Wie gelingt das? (Vier Schritte)
- Um Erlaubnis fragen: Bist du damit einverstanden, dass ich dir…?
- Evokation: Was weißt du schon darüber? Brauchst du noch Informationen über…?
- Informationsangebot: Was anderen in ähnlichen Situationen geholfen hat, ist… (Verschiedene Möglichkeiten anbieten) aus Studien ist bekannt, dass…
- Evokation: Was bedeutet diese Information für dich? War die Information für dich hilfreich? Welche Gedanken gehen dir dabei durch den Kopf?
Dem Korrekturreflex widerstehen
Der Korrekturreflex bezieht sich auf die Tendenz eines Beraters, Lösungen für die Probleme eines Hilfesuchenden vorzuschlagen oder Ratschläge zu geben, anstatt dem Hilfesuchenden zu helfen, seine eigenen Lösungen zu finden. Es ist ein Reflex, der aus dem Bedürfnis des Beraters entstehen kann, dem Hilfesuchenden zu helfen, aber es kann auch dazu führen, dass der Hilfesuchende sich nicht gehört oder verstanden fühlt.
Der Korrekturreflex kann in der Beratung problematisch sein, da er die Autonomie des Hilfesuchenden einschränkt und ihm das Gefühl geben kann, dass er nicht selbst in der Lage ist, seine Probleme zu lösen. Stattdessen sollte der Berater dem Gegenüber helfen, seine eigenen Lösungen zu finden, indem er einfühlsam zuhört, offene Fragen stellt, die Sichtweisen des Anderen versucht zu verstehen und ihm dabei hilft, seine eigenen Ressourcen zu entdecken.
Ein Beispiel für den Korrekturreflex in der Beratung könnte sein:
Hilfesuchender: “Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich liebe meine Partnerin, aber ich halte es nicht aus, dass sie jeden Tag trinkt.“
Berater: “Ich verstehe, was du meinst. Vielleicht solltest du deine Partnerin verlassen oder ihr besucht gemeinsam eine Selbsthilfegruppe.“
In diesem Beispiel gibt der Berater dem Hilfesuchenden eine Lösung für sein Problem vor, anstatt ihm zu helfen, seine eigenen Lösungen zu finden. Stattdessen sollte der Berater dem Gegenüber helfen, seine Gedanken und Gefühle zu erkunden und ihm dabei helfen, seine eigenen Lösungen zu finden, die auf seinen Werten, Überzeugungen und Ressourcen basieren.
Diskrepanz entwickeln
Diskrepanzen entwickeln bedeutet, dass Hilfesuchende unterstützt werden, ihre eigenen Widersprüche zu entdecken. So können Hilfesuchende feststellen, dass ein Unterschied besteht zwischen ihrer aktuellen Situation und dem, was sie sich früher einmal für sich erhofft hatten oder sich heute für die Zukunft wünschen würden. Wahrgenommene Diskrepanzen zwischen dem gegenwärtigen Verhalten und den eigenen Werten und Zielen motivieren zu Veränderungen. Dabei sollen die Hilfesuchenden die Argumente für eine Veränderung selbst entwickeln und äußern.
Geschmeidiger Umgang mit Widerstand
Es ist wichtig, den Hilfesuchenden im Gespräch nicht mit Argumenten für Veränderung zu überzeugen. Oft reagieren Hilfesuchende mit Gegenargumenten. Es ist hilfreicher, den Hilfesuchenden zu neuen Perspektiven einzuladen und nicht vorzuschreiben was richtig oder falsch ist. Hilfesuchende reagieren widerständig gegen solches Vorgehen. Widerstand ist ein Signal, die Vorgehensweise zu ändern. Widerstand aufzunehmen bedeutet Gegenreaktionen konstruktiv zu bearbeiten. Widerstand ist keine negative Eigenschaft, sondern ein Hinweis, dass die Gesprächsführung nicht zur Verhaltensänderung bei Hilfesuchenden geführt hat. Gleichzeitig gibt Widerstand Aufschluss über Hoffnungen, Wünsche und Ängste, die aufgegriffen werden können und zur Lösungsfindung beitragen können. Durch aktives Zuhören und Betonung der Entscheidungsfreiheit kann sinnvoll mit Widerstand umgegangen werden
Den Gesprächspartner stärken
Der Glaube, sich verändern zu können, ist ein wichtiger Motivator. Der Hilfesuchende ist für die Entscheidung zur Veränderung und deren Umsetzung verantwortlich. Insgesamt soll der Hilfesuchende in der Annahme bestärkt werden, dass er Veränderungen aus eigener Kraft erreichen kann.
Empathie
Empathie ist die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen der Hilfesuchenden einzufühlen. Empathie ist eine entscheidende Voraussetzung, um Motivation aufbauen zu können.
Durch Empathie können Ansätze zur Motivationsbildung gefunden und Widerstände von Seiten der Hilfesuchenden vermieden werden. Wichtig ist, das Verhalten einer Person nicht zu kritisieren, sondern die Person mit ihrem Verhalten anzunehmen. Dem Hilfesuchenden wird dadurch geholfen seine eigenen Erfahrungen, Werte, Ideen und Entscheidungen zu reflektieren und zu verstehen.
Fallbeispiele
Wir haben für dich Fallbeispiele zu den Techniken, offene Fragen, Reflexionen, Würdigung als Video vorbereitet. Dir wird jeweils eine Szene vorgespielt und vier mögliche Antworten. Zwei davon sind gut geeignet und zwei davon sollte man besser nicht verwenden. Zu den jeweiligen Antworten werden dir Erklärungen eingespielt. Bevor du dir die Antworten anhörst, pausiere kurz das Video und überlege dir, ob du die Antwort für geeignet hältst.
Die Technik Zusammenfassung haben wir als schriftliches Fallbeispiel vorbereitet. Hier gibt es eine richtige und eine falsche Antwort. Unter den Antworten findest du Erklärungen. Schaue dir die Antworten an, bevor du die Erklärungen ausklappst, und überlege dir, welche Antwort du in der Situation wählen würdest.

Schaue dir dieses Video zur Technik offene Fragen an:

Schaue dir dieses Video zur Technik Reflexion an:

Schaue dir dieses Video zur Technik Würdigung an:
Technik Zusammenfassung:
Die 56-jährige Vera ruft dich in deiner Sprechstunde völlig verzweifelt und aufgelöst an.
„Eigentlich war ja alles gut. Mein Lebensgefährte hat endlich eine Therapie gemacht und mit dem Trinken aufgehört. Ich war so froh. Doch die Freude hielt nicht lange an. Er war gerade mal 1 ½ Monate trocken. Dann hat er seinen Job verloren und wieder angefangen zu Saufen. Gestern habe ich ihn dann ja noch auf seinen Wunsch wieder in die Entgiftung gefahren. Im Auto habe ich ihm dann gesagt, dass ich einfach keine Kraft mehr habe und nicht mehr kann. Ich habe Schluss gemacht und ihm Wohnungsverbot erteilt.
Heute Morgen rief er dann völlig betrunken an und hat mich beschimpft und sich darüber aufgeregt, dass ich kein Recht hätte, ihn aus der Wohnung zu werfen. Jetzt will er sich mit mir auf unserem Campingplatz treffen, um sich auszusprechen. Ich weiß nicht, ob ich dahinfahren soll. Ich weiß ja nicht, was mich dort erwartet und wie er drauf ist. Ich weiß auch nicht, was das bringen sollte. Nachher wickelt er mich doch wieder um den kleinen Finger. Aber ich will einfach nicht mehr. Es reicht. Ich habe meine Entscheidung getroffen!
Dein Lebensgefährte hatte erfolgreich eine Therapie gemacht und mit dem Trinken aufgehört. Weil ihm der Jobverlust belastet, hat er nach 1 ½ Monaten doch wieder angefangen, hat ich aber gebeten, ihn wieder in die Entgiftung zu fahren. Das hast du dann auch gemacht, aber auf der Fahrt dorthin Schluss gemacht und Wohnungsverbot erteilt. Das muss sehr hart für ihn gewesen sein, dass vor der Entgiftung zuhören. Er kann das auch gar nicht so recht nachvollziehen und möchte sich mit dir aussprechen. Doch diese Chance möchtest du ihm nicht geben, weil du bei deiner Entscheidung bleiben willst. Ich frage mich, ob du dir nicht noch einmal einen Ruck geben könntest. Ich denke, eine Paartherapie würde euch helfen
Dies fasst das Gesagte teilweise zusammen. Allerdings muss man sagen, dass dies keine neutrale Zusammenfassung ist, sondern Position für den Mann bezieht. Die Zusammenfassung interpretiert, wie sich der Mann fühlt. Somit wird Vera unter Druck gesetzt und ihre Entscheidung infrage gestellt. Ihre Sichtweise wird nicht berücksichtigt. Ebenfalls wird hier durch den Beratenden ein Lösungsvorschlag unterbreitet: „Ich denke, eine Paartherapie würde euch helfen.“ In der Motivierenden Gesprächsführung gilt jedoch, wir unterbreiten keine Lösungsvorschläge, sondern unterstützen die Hilfesuchenden, ihre eigenen Lösungen zu finden
Ebenfalls fehlt in diesem Beispiel die Einführung der Zusammenfassung. Somit fehlt der hilfesuchenden Person die Orientierung und sie weiß nicht, was jetzt kommt. Am Ende der Zusammenfassung wird sie nicht nach ihrer Einschätzung der Zusammenfassung gefragt. Somit wird ihr nicht die Möglichkeit gegeben, zu korrigieren, falls man bei seiner Zusammenfassung etwas vergessen oder falsche Schwerpunkte gesetzt hat.
Vera, du hast einige Themen angesprochen und ich möchte sie noch einmal kurz zusammenfassen, um sicherzugehen, dass ich alles richtig verstanden und nichts vergessen habe.
Dein Lebensgefährte hat sein Job verloren und ist nach 1 ½ Monaten rückfällig geworden. Auf eigenen Wunsch hast du ihn erneut in die Entgiftung gefahren. Weil du keine Kraft mehr hast, hast du dich von ihm getrennt und ihm Wohnungsverbot erteilt. Er hat dich am nächsten Tag betrunken und erbost angerufen, weil er das Wohnungsverbot nicht akzeptieren will. Er will sich mit dir treffen, um sich auszusprechen. Du hast überlegt hinzufahren, glaubst aber nicht, dass das etwas bringen würde. Du hast Angst, dass er dich um den kleinen Finger wickeln könnte, dir ist es aber wichtig, bei deiner Entscheidung zu bleiben.
Habe ich alles richtig verstanden oder möchtest du etwas ergänzen?
Es gibt einen vorbereitenden Satz, sodass Vera weiß, dass jetzt eine Zusammenfassung kommt und auch warum. Die Inhalte des Gesprächs werden neutral zusammengefasst. Ebenfalls wird sie am Ende um ihre Einschätzung gebeten, ob alles richtig ist oder etwas vergessen wurde. Somit kann man als beratende Person überprüfen, ob man mit der Zusammenfassung richtig lag und gibt der hilfesuchenden Person die Möglichkeit zu korrigieren, falls man falsch lag.

Schaue dir dieses Video mit einem Beratungsbespiel an:
Um eine realistische Gesprächssituation zu simulieren, wurde das Beispiel improvisiert und es gab keinen vorgegebenen Text. Schaue dir das Video an und achte darauf, ob du einige Techniken der Motivierenden Gesprächsführung wiedererkennst.
